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Faserfieber

Angorawolle

Es kann sich durchaus lohnen so wertvolle Fasern wie die vom Angorakaninchen zu verspinnen oder zu filzen (s.a. Kapitel Filzen: Tipps und Tricks: hier, wenn man eine gute Quelle hat. Über den Zentralverband der Kaninchenzüchter kann man sich z.B. die Adresse eines Angorazüchters in der Umgebung besorgen. Leider gibt es aber nur noch wenige Züchter. Auskunft über die sehr ähnlichen Satinangora genannten Kaninchen gibt es bei satinangora.de, und über die kleineren Jamorahäschen hier.
Ich finde es schade, dass die farbige Angorawolle so wenig akzeptiert ist und deshalb Züchter gezwungen sind vorwiegend weiße Angorakaninchen zu züchten. Da die farbigen Häschen sehr hell sind, kann man auch diese Wolle färben und erhält wunderschöne Zwischentöne!

Ein paar Hinweise aber schon vorweg:

Meinen größten Fehler in punkto Angorawolle habe ich gemacht, als ich einen Faden Angorawolle mit einem Faden Leinen verzwirnt habe. Da Leinenfasern durch ihre enorme Faserlänge und Festigkeit nur wenig gedreht werden müssen, stehen sie ganz im Gegensatz zu Angora: die Fasern sind sehr schlüpfrig und müssen sehr stark gedreht werden, weil sie meist unter 5 cm lang sind. Beim Verzwirnen erhielt ich zwar ein ganz toll aussehendes Garn, doch der Pullover ließ mich auch wie ein Kaninchen aussehen! Die Fasern fusselten so schlimm, das ich diesen Pullover leider als Lehrstück betrachten muß. Ganz im Gegensatz zu einem Doppelgewebeschal, der aus reinem verzwirntem Angora besteht oder einem dazupassenden wunderschönen Pullover aus Naturfarben hier.

Thema Fusseln
Angorawolle mag Feuchtigkeit überhaupt nicht. Die Tiere sterben, wenn sie in feuchter Umgebung gehalten werden (sogar im warmen Indien!). Der Grund liegt in der Behaarung. Die Fasern haben viele Hohlkammern. Dadurch sind sie leicht und gut kälteisolierend. Wenn man die Fasern aber waschen will, dann dauert es eine ganze Weile, bis die Feuchtigkeit überhaupt aufgenommen wird. Man muss die Luft rausdrücken, also die Fasern immer wieder unter Wasser drücken bis alle Luftbläschen heraus sind. Ist das geschaftt, fängt die Faser dann aber an zu zerfliessen. Jegliche Struktur geht verloren. Ein Kleidungsstück aus Angorawolle, die nicht industriell veredelt wurde, hat noch alle diese Eigenschaften. Das bedeutet aber auch, dass es kein Allwetterbekleidungsstück ist! Ein Pullover, den man in an nebligen Tagen ohne Jacke trägt oder Handschuhe mit denen man Schneebälle macht, wird sich ebenfalls auflösen, weil hier durch das Reiben (unter den Armen oder die Hände) die Luft herausdrückt und das Wasser aufgenommen wird.

Wenn man zum Fusseln neigende Wolle verspinnt, sollte man das Garn stark drehen und anschließend mit demselben Material unbedingt verzwirnen. Wenn man schon mischen möchte, dann gleich beim kardieren. Ich habe aber etwas Hemmungen so verschiedene Materialien zu mischen, weil man immer exakt dasselbe Mischungsverhältnis braucht. Sonst gibt es deutlich sichtbare Abweichungen.

Noch ein Tip: zwar lässt sich die Angorawolle schon aus der Flocke gut spinnen, aber das Garn wird sehr dick sein, weil es sehr schlüpfrig ist, besser ist es, kurz vorher zu kardieren (sonst werden die kardierten Locken schnell wieder aneinander pappen). Beim Kardieren sollte man Katzenkarden verwenden, also Handbürsten für langhaarige Katzen oder Hunde, sogenannte "Softbürsten". Diese Karden sind viel feiner als die Wollkarden und man kann damit viel besser Angora oder Lamawolle kardieren. Leider sind sie meist sehr klein, aber da man beim Feinspinnen nicht so viel Material braucht, hält sich der Aufwand in Grenzen. Es gibt gelegentlich auch grosse Feinkarden bei den Firmen, die Wolle für das Handspinnen vertreiben. Leider habe ich dort nie Angaben zur Größe des Nadelbrettes gefunden. Im Internet bei www.Zoonetz hat man mir aber die Masse mitgeteilt: Diese "extra große Softbürste 19x12 cm" weist die größte Borstenfläche auf. Die Brettmaße (Edelmetall) betragen 12 x 7,5 cm, die Maße der reinen Borstenfläche betragen 10,5 x 6,3 cm. Meine Karden von "Salon" sind noch breiter, aber es scheint sie nicht mehr im Handel zu geben.(Nicht vergessen: man braucht ZWEI zum Kardieren!) Wer viel mit solchen schönen Materialien spinnen möchte, sollte sich diese Anschaffung leisten. Da Angorahaare so leicht sind, fliegen sie beim kleinsten Windhauch einem schon um die Nase. Ich habe festgestellt, dass es an manchen Tagen unmöglich ist, die Wolle zu verspinnen, weil die Angorahaare so aufgeladen sind, dass sie einem ständig um das Gesicht fliegen und kleben (sehr trockene Luft, z.B).
Man kann sie z.B nass machen und fast trockenschleudern in einem Tuch in einer Wäscheschleuder. Danach lässt sich Angora ganz gut kardieren. Nachteil: läßt man die feucht kardierte Wolle einfach nur trocknen, bilden die Fasern eine Art Filz, den man allerdings wieder auseinanderziehen kann.

Angorawolle ist übrigens auch stark gekräuselt. Aber die Löwenzahnvernichter mögen Nässe aus gutem Grund gar nicht und kämmen ihr Fell so schön glatt, dass man es erst erkennt, wenn man die Wolle ansprüht und trocknen läßt. Selbst dann muss man gute Augen haben oder kurzsichtig sein, um es zu erkennen. Angora ist sehr gut zum Filzen geeignet, besonders wenn es nicht sehr lang ist (2-6 cm ca.). Siehe allgemein Kapitel Filzen und hier. weiter zurück home